„Beispiel“
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Der kurze Traum vom Aussichtsturm

OWV-Zweigverein Kohlberg erinnert an die Gründung des Verschönerungsvereins vor 110 Jahren. Mathematikprofessor Georg Michael Bäumler war damals der Motor.

vom Buschn-Hans

Das diesjährige Waldfest am 7. Juli 2019 steht ganz im Gedenken an die Gründung des Verschönerungsvereins im Jahre 1909. Vorstand Markus Müller hat einen ausführlichen Rückblick auf diese OWV-Vorgängergruppe in Planung. Die Tombola wartet mit vielen Preisen auf Gewinner und zünftige Musik kommt wieder von der „Zoigl-Blousn“.

Kurz in die Vergangenheit: Mitte des 19. Jahrhunderts erblickten im Kern von Kohlberg zwei Buben das Licht der Welt, die später den Ehrentitel Professor tragen durften. Da ist zum Einen der Komponist und Musikpädagoge Anton Beer-Walbrunn (1864 bis 1929). Er war in der Zeit von 1888 bis zu seinem Tod in München eine hochangesehene Persönlichkeit. Die Erinnerung an ihn und sein musikalisches Erbe wird durch Pfarrer Martin Valeske und den Anton Beer-Walbrunn-Kunst- und Kulturverein gepflegt.

Weitaus weniger bekannt ist in Kohlberg die Vita des Mathematik-Professors Georg Michael Bäumler, der am 16. Oktober 1852 im Haus Nummer 22 (früherer Hausname: „Auerbacher“, jetzt: Härtl) geboren wurde. Bäumler heiratete zwei Mal, hatte fünf Kinder und zog um 1887 von Dillingen, wo er Oberstudienrat war nach Zweibrücken. Er starb dort am 11. Oktober 1915.

Auf seine Aktivitäten hin wurde 1909 von etwa 40 Personen in Kohlberg ein Verschönerungsverein gegründet. Vereinszweck war der Bau eines Aussichtsturmes auf dem Kohlbühl und die Anlage einer Lindenallee dort hin. Einige wenige Bäume aus der Zeit stehen noch. Um Geld für das Vorhaben zu bekommen, wurde pro Vereinsmitglied eine Mark pro Jahr gefordert, konnten Spenden gemacht werden und der Erlös der jährlichen Waldfeste auf dem vorgesehenen Standplatz war ab 1907 beträchtlich.

Professor Bäumler besuchte mit seiner Familie oft den Ort, schob an, wo er konnte, war Motor und Zusammenhalt des jungen Vereins. Johann Magerl, der frühere Gemeindeschreiber, vermerkte in seinen Aufzeichnungen: „Leider kam dann der unselige Krieg der alle Spargelder die nicht mündelsicher angelegt waren, zunichte machte“. So waren alle Opfer und Aufwendungen schließlich umsonst. „Auch der erste Sohn Julius, des Schöpfers unseres Vereins musste sein Leben opfern. Von da an kam Professor Bäumler nicht mehr und starb auch noch während des Krieges aus Gram“, vermerkte der Chronist. Hier irrt Magerl aber, denn Julius überlebte den Krieg. Nicht jedoch sein Bruder Joseph, der bereits im November 1914 in Flandern als vermisst gemeldet wurde.

Karl Prösl, Kohlbergs früherer Bürgermeister ist sicher der versierteste Kenner der Ortsgeschichte. Er hat sich jahrelang durch Archive, kirchliche und private Unterlagen durchgearbeitet und so einen Schatz an historischen Informationen aufgebaut, der seinesgleichen sucht. Von ihm stammt unter anderem auch die Zeitungsnotiz im „Weidener Anzeiger“ von 1903 nach der ein Bauplatz für den Aussichtsturm durch Herrn Gymnasialprofessor Bäumler aus Dillingen ausgewählt und die Arbeiten dafür in Angriff genommen worden seien.

Das schien sich jedoch in die Länge zu ziehen, da der „Oberpfälzer Kurier“ 1907 vermerkt, dass am 4. August „auf dem Platze, wo der Aussichtsturm zum Stehen kommen soll ein größeres Waldfest stattfindet, allerdings nur bei günstiger Witterung“. Das Blatt schreibt noch, dass die Aussicht von dem Scheitel des Kohlbühls noch viel schöner sein wird, sobald der 40 Meter hohe Aussichtsturm einmal steht. 1924, also sechs Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs schreibt der „Kurier“, dass „die Erinnerung daran wachgerufen wurde, dass vor Jahren dem Bau einer solchen Warte viel Sympathie entgegen gebracht wurde. Das Projekt aber mit dem Heimgang eines von hier gebürtigen Professors, welcher sozusagen die Seele des Ganzen war, nach und nach in den Hintergrund trat“.

aussichtsturm
So ändern sich die Zeiten! Der 1909 vom Verschönerungsverein geplante Aussichtsturm auf dem Kohlbühlrücken kam durch den ersten Weltkrieg nicht zustande. 1926 stellte die staatliche Vermessungsstelle dieses 22 Meter hohe Gebilde auf, um Entfernungen und Höhenmarken festzulegen. Irgendwann brach der morsche Turm dann zusammen und verschwand. Heute steht auf dem 588 Meter hohen Hügel ein Mobilfunk-Sendemast.



Autor und Fotos: Buschn-Hans
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